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Auf dieser Seite finden Sie die gesammelten
"Impulse der Woche" des Jahres 2003.
5/2003 (hk)
Vom Fallen und Aufstehen
Julian K. hatte eine ausgesprochen starke Vaterbeziehung, aber die Ehe seiner Eltern scheiterte, als er 12 war. Ein jahrelanger Scheidungskrieg, der Tod seiner für ihn sorgenden Großmutter trieben Julian mit 15, 16 Jahren zum Strandgut der Großstadt. Diebstähle, Raufereien, Bekanntschaft mit der Drogenszene öffneten die Tore zur Jugendanstalt Kaiserebersdorf. Julian, so jung und so oft schon am Boden, erhob sich. Und mit ihm erhoben sich seine Träume und Sehnsüchte. Er entdeckte, dass es in dieser Welt mehr gibt als Frust und Abrechnung mit seinem Umfeld.
Gehen vom Kreuz zu Boden gedrückt werden wanken fallen daliegen!
Aber noch bevor der Applaus der Gaffer einsetzt, sich hochrappeln, durchatmen und den nächsten Schritt setzen und weitergehen.... Jesus, der von sich gesagt hat "Ich bin der Weg", ist auf seinem letzten Weg unter dem Kreuz gestürzt und wieder aufgestanden. Aufgestanden gegen die Schadenfreude, gegen Hohn und Spott, aufgestanden gegen Zweifel und Hoffnungslosigkeit. Aufgestanden, um ans Ziel zu kommen: Er und alle, die ihm folgen.
11/2003 (jl)
"Die zarteste Versuchung ...."
Am 1. Fastensonntag wird in den katholischen Kirchen traditionell die Evangelienstelle von der Versuchung Jesu durch den Satan verlesen, die sich in der 40-tägigenWüstenzeit Jesu am Beginn seines öffentlichen Wirkens zutrug. Nun ist das mit dem Satan so eine Sache, denn durch unsere gutkatholische Erziehung und geprägt vom Erbe der religiösen Volkskunst, stellen sich die meisten den Teufel als einen halben Ziegenbock vor, der nach Schwefel stinkt und mit rotblinkende Hörnern. Wenn´s doch nur so einfach wäre. Ich weiß nicht ob es den Bösen so wirklich gibt, aber wir alle spüren, dass es das Böse gibt, um uns und auch in uns. Und es tritt uns nicht mit Schwefelhauch entgegen, sondern duftet und ist süß wie Schokolade.
Im Kinofilm "Im Auftrag des Teufels" gibt Al Pacino den Satan, smart und elegant ist er der Chef einer Anwaltskanzlei, ein netter Kerl, der nur dein bestes will, der dich ganz nach oben bringt: er spricht Sehnsüchte an nach Ruhm und Ansehen, nach Geld und Besitz. Es ist kein wirklich guter Film, aber Pacino ist gut, denn so ist er wohl der Versucher: smart und elegant und will doch nur mein Bestes.
8/2003 (hs)
Abigail und der Nichtkrieg
In der Bibel lese ich im ersten Buch Samuel von einer Frau mit Namen Abigail. Ihr Mann Nabal hatte Boten des angehenden Königs David schroff zurückgewiesen, woraufhin dieser mit einem Tross von 400 Männern anrückt, um sich an Nabal zu rächen und seine Sippe zu vernichten. In dieser äußerst prekären Situation packt Abigail eine Fülle von Lebensmitteln auf Esel und zieht David entgegen. Sie überzeugt David in einer brillanten Rede davon, dass es nicht der Wille Gottes sein kann, Blutschuld auf sich zu laden und wegen der Bösartigkeit eines Einzelnen hunderte andere Menschen zu töten. Wohl gesättigt und zutiefst beeindruckt gibt David nach, zieht ab und nimmt Abigail zur Frau, als ihr Mann kurze Zeit später stirbt.
Weisheit, Mut, selbstbewusstes Auftreten, Intuition, Gottvertrauen und Diplomatie prägen Abigails Verhalten. Eigenschaften, die wir gerade heute, wo sich viele schon mit der Unabänderlichkeit eines baldigen Krieges abgefunden haben, gut brauchen würden. Die Zeiten haben sich geändert. Heute reicht es nicht einmal, dass zehn Millionen Menschen weltweit auf die Straße gehen, sich gegen den Krieg stellen. Mit Berufung auf den Willen Gottes werden die Kriegsvorbereitungen ohne Zweifel und Zögern fortgesetzt.
7/2003 (jpr)
Maskenball und Demaskierung
In der Faschingszeit bemerken wir überall ein "närrisches Treiben". Viele Menschen genießen es, einmal für ein paar Stunden auszubrechen aus den Rollen des Alltags. Sie suchen ihrer Fröhlichkeit Ausdruck zu verleihen und verkleiden sich in verschiedenster Weise. Wenn sich ein Mensch verkleidet und maskiert, so möchte er offenbar sein "wahres Ich" verbergen. Es ist das Bedürfnis vieler von uns, in andere Rollen zu schlüpfen und einmal ganz anders zu sein als gewöhnlich.
So fragen wir uns, ob es nicht auch im täglichen Leben so ist, dass wir uns hinter einer "Maske" verstecken. Natürlich laufen wir im Alltag nicht verkleidet oder maskiert herum, aber wer von uns zeigt sich schon wirklich ganz als der, der er in seinem tiefsten Inneren auch ist? Sind wir nicht alle irgendwie darauf bedacht, vor uns selber und vor den Mitmenschen besser zu erscheinen als wir sind? Gibt es nicht auch im menschlichen Miteinander viel Unwahrheit im Reden und Tun, sodass sich Menschen bewusst verstellen und andere in die Irre führen durch die Art und Weise, wie sie sich geben und verhalten?
Mit Masken können wir die Erfahrung machen, einfach so zu sein, wie wir sind - auch mit unseren guten und schlechten Gewohnheiten. Aber wir sollten uns genauso auch im Alltag dazu überwinden, so zu sein, wie wir wirklich sind, weil Gott die Schwächen und Fehler der Menschen in jeder Hinsicht akzeptiert.
6/2003 (jl)
"Nun lässt du Herr, deinen Knecht,
wie du gesagt hast in Frieden scheiden,
denn meine Augen haben das Heil gesehen,
das du vor allen Völkern bereitet hast:
ein Licht das die Heiden erleuchtet
und Herrlichkeit für dein Volk Israel."
(Lk 2, 29-32)
Es ist Nachtgebet eines Lebens, gesprochen vom alten Simeon und überliefert im Evangelium des Lukas. Ein Leben voller Sehnsucht nach Sinn und Erfüllung, voller Hoffnung auf Gott und sein Wirken, kann nun zu Ende gehen. In seinen Händen hält der alte Mann ein Kind, wie jedes Kind ein lebendes Zeichen der Hoffnung und der Zukunft. Aber dieses Kind in besonderer Weise: Jesus, der von seinen Eltern in den Tempel gebracht wurde, ist für den alten des Heilbringer, der Messias Gottes, die Augen des Alten strahlen noch einmal auf, erhellt vom Licht dieses Wunders.
Sehnsüchtiges Hoffen, Erwartung wie nur Kinder im Advent es empfinden und die Ahnung der Erfüllung prägen das Leben des Simeon und diese Begegnung mit dem Weltenerlöser, der sich klein macht und Kind wird unter uns. Diese Sehnsucht, die dem Leben Sinn und Ziel gibt, diese Sehnsucht nach dem Mehr und dem Alles, ist ja in Wahrheit schon das Geheimnis des erfüllten Leben. Wer diese Sehnsucht nicht in sich spürt, und ich meine hier nicht unsere kleinlichen Hoffnungen auf den Lottogewinn oder ein neues Auto, der ist arm dran. Die Sehnsucht, das Heil zu sehen und das tiefste Licht zu spüren und zu wissen: alles ist gut, weil ER gut ist und mir und uns gut sein wird.
5/2003 (tz)
Meine Großmutter und der Krieg
Als Kind hat mir meine Großmutter erzählt, dass sie ihren einzigen, vielgeliebten Sohn, also meinen Onkel, an Hitler- Deutschland verloren hatte. Als Siebzehnjähriger wurde er noch im Jahr 1944 eingezogen und war nach vier Tagen an der Front schon tot, abgeschossen wie ein Feldhase. Meine Großmutter hat ihr ganzes Leben lang diesen Tod nie verkraftet und oft darüber geweint. Ich habe dann, noch als Kind, vom Krieg geträumt: dass Feinde ins Dorf gekommen sind und riesige Pfeile verschossen haben, die sich in Hausmauern bohrten, und ich konnte nicht weglaufen, weil meine Beine wie gelähmt waren.
Heute steht am Ende wieder ein Krieg bevor: nicht in meinem Dorf, nicht in meinem Land und nicht in Europa. Und doch darf er nicht kommen: denn Kriege kommen nicht, sie werden gemacht, präzise vorbereitet und an Universitäten ausgeheckt!
Das nebenstehende Foto ist eines der grausamsten, das ich je gesehen habe. Es stammt aus dem Vietnamkrieg:
Auch diese Söhne hatten Mütter...
Auch Mütter aus dem Irak würden Söhne verlieren.
Kein politisches Mittel darf recht sein, um einen Krieg zu führen, selbst wenn die Herrscher Diktatoren sind. Das daraus folgende Elend ist durch nichts zu rechtfertigen und in jedem Fall menschenverachtend! Um Gottes und der Erde willen, dieser Krieg darf nicht kommen! Sagen Sie es weiter...
4/2003 (ir)
Die innere Quelle
Das neue Jahr hat begonnen und vielleicht haben manche sich einen Vorsatz genommen. Und es ist möglich, dass dieser Vorsatz nach 2 Wochen schon wieder vergessen ist. Deshalb hier ein Vorschlag für dieses neue Jahr, den ich in einem schönen Buch gefunden habe.
"Nimm dir jeden Tag eine halbe Stunde Zeit zum Gebet, außer wenn du viel zu tun hast, dann nimm dir eine Stunde Zeit!", schreibt der Heilige Franz von Sales - und wir müssen unwillkürlich lächeln darüber. Zur Tragik heutiger Menschen gehört, dass sie in Zeiten der Verunsicherung und der Überforderung den Zugang zu den eigenen Ressourcen nicht fördern, sondern sich selber durch das Leben hetzen.
Im französischen Wort Ressourcen steckt das Wort source - das heißt: Quelle. Die innere Quelle versiegt nie, doch es kann sein, dass ihre Kraft uns wenig belebt und erneuert, wenn und weil wir uns verkrampfen. In Zeiten der Dünnhäutigkeit brauchen wir einen besonders wohlwollenden Blick uns selber gegenüber. Beim tiefen Durchatmen, mit beiden Füssen auf dem Boden stehend, erinnere ich mich: Es kommt wohl auf mich an, hängt aber letztlich nicht nur von mir ab.aus:
Pierre Stutz, 50 Rituale für die Seele, Herder 2001, 83 f
3/2003 (hk)
Sand oder Fels?
Es ist eine harte Erfahrung, zuschauen zu müssen, wie Menschen, die einem viel bedeuten, ihre Lebenshäuser auf Sand bauen. Es ist bitter und traurig, erleben zu müssen, wie niedergehende Murren, alles wegspülende Flutwellen und ungehemmt niederreißende Orkane zwischenmenschlicher Klimakatastrophen Lebenshäuser aus den Angeln heben und dem Erdboden gleich machen.Im Baustoffhandel für Lebenshäuser" wird Sand von Billigstbietern zu Schleuderpreisen gehandelt, massenhaft stehen Menschen Schlange vor ihren Lagerhallen, Fels hingegen fristet ein Schattenleben in den hintersten und untersten Regalen. Im Baustoffhandel für Lebenshäuser" meldete sich einer vor zweitausend Jahren zu Wort und sagte: Wer meine Worte hört, ist wie ein Mann, der sein Haus auf felsigem Grund baut. Wenn ein Wolkenbruch niedergeht, die Flüsse über die Ufer treten und Stürme toben, stürzt das Haus nicht ein, weil es auf Fels gebaut ist..." (Mt7,24ff)Sand oder Fels - nicht nur eine Frage im Jahr der Bibel; vielmehr eine Frage von Vergänglichkeit oder Beständigkeit, von Trostlosigkeit oder Glück, von Überleben oder Untergehen.
2/2003 (hs)
Dreiundfünfzig Minuten
Ein neues Jahr hat begonnen. Noch 359 Tage liegen vor uns. Was werden diese Tage bringen? Sie werden ausgefüllt sein mit Arbeit und anderem Lebenswichtigen, mit Schlaf und wohl auch mit mehr oder weniger Freizeit. Werden wir neben aller Freizeit auch freie Zeit haben?
"Guten Morgen", sagte der kleine Prinz. "Guten Tag", sagte der Händler. Er handelte mit höchst wirksamen, durststillenden Pillen. Man schluckt jede Woche eine und spürt überhaupt kein Bedürfnis mehr zu trinken. "Warum verkaufst du das?", fragte der Kleine Prinz. "Das ist eine große Zeitersparnis", sagte der Händler. "Die Sachverständigen haben Berechnungen angestellt. Man erspart sich dreiundfünfzig Minuten in der Woche." "Und was macht man mit diesen dreiundfünfzig Minuten?" "Man macht damit, was man will ..." "Wenn ich dreiundfünfzig Minuten übrig hätte", sagte der Kleine Prinz, "Würde ich ganz gemächlich zu einem Brunnen laufen ..."
Was werde ich heuer mit meinen "dreiundfünfzig Minuten" geschenkter Zeit machen?
Geschichte aus: Antoine de Saint-Exupery. Der kleine Prinz, Kap. 23
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